Die Sperrmüllwikinger kommen!

Damals, im Jahre 845:

Auch wenn Wedel erst im Jahr 1212 erstmals urkundlich erwähnt wurde, gilt es durch Ausgrabungen als sicher, dass das Kreisgebiet Pinneberg schon seit vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war.
Man kann also mutmaßen, dass schon jemand dort war und aus dem Fenster auf die Elbe sah, als der dänische König Horik I. im Jahr 845 mit 60 Schiffen den Fluss hinauf segelte um Hamburg zu plündern. Reiche Beute versprach er sich in den Elbsiedlungen!

Vermutlich hörte man es damals also auch in der Wedeler Marsch rufen:

„Die Wikinger kommen!“

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Heute, 1172 Jahre später…

Es ist Mittwoch. Krempel steht an der Straße. Und die Wikinger kommen wieder.

Ich, der Löwenseelenkater, habe meine Entscheidung damals getroffen. Entweder ich verdiene viel Geld in einer Führungsposition, oder ich bin glücklich. Inzwischen bin ich ein sehr glücklicher Mann, der allerdings ohne große finanzielle Rücklagen ein Haus baut.

Am Ende vom Geld ist also meistens also noch viel zu viel Monat übrig.
(Dabei haben wir Februar!)

Heutzutage plündern die Wikinger nicht mehr in Hamburg, sie bauen Ikea-Möbel zusammen. Doch Möbel sind eben teuer und wer irgendwann mehr als nur einen Klappstuhl und einen Malertisch als Einrichtungsgegenstände haben möchte, kommt ums große Geldausgeben oft nicht herum. Alles was hilft die Bewohnbarkeit der Bude möglichst kostengünstig voranzutreiben ist mir also willkommen.

Eine Sache die nicht nur mir so geht: Viele Schüler, Studenten oder Auszubildende haben in der ersten Wohnung nur gebrauchte Möbel stehen. Genau wie manch Andere, die aus verschiedenen Gründen lieber günstig wohnen möchten oder müssen.
Was hätte Rorik I. wohl getan? Das, was viele tun.

Während ich nach Hause fahre stelle ich mir vor, wie Roriks wilde Krieger bei Ikea einfallen:

Der Dänische König legt sich das „Schafsfell Ludde“ um die Schultern und prahlt dann mit der frisch erworbenen „Streitaxt Kløppe“.
Danach essen Rorik und seine Krieger im Restaurant Köttbullar, bis er einer Bedienung an den Po fasst und danach zu Recht hinausgeworfen wird.

Natürlich alles an einem typischen Samstagvormittag, da fallen sie zwischen den anderen Kunden als Barbaren überhaupt nicht auf.


22:00 Uhr. In der Moorwegsiedlung entdecke ich am Straßenrand einen von Raureif überzogenen Stapel Möbel.

Es ist bitterkalt und um diese Jahreszeit stockdunkel.
Da stehen sie nun, all die Schränke, Tische, Stühle. Manchmal leicht beschädigt, manchmal in bestem Zustand. Zwischen zwei nassen, gefrorenen Matratzen stehen ein Kinderbett und ein Schreibtisch. Hey, und ein kleines Weinregal! Daneben kaputte Klappkisten, verbogene Gardinenstangen und Regalbretter. Ein Stuhl ohne Polsterung steht dort. Dahinter ein in seiner Funktion nicht erkennbares Etwas, das nur ein Handwerker ohne Daumen zusammengebaut haben konnte. Bei manchen schaurigen Sachen fragt man sich, wie jemand es auch nur einen Tag in der Wohnung dulden konnte. Diese Lampe da ist der Inbegriff des Schreckens!

Bei anderen Dingen kann man einfach nicht verstehen, wieso sie weggeworfen wurden.


Die Kreisverwaltung gibt auf meine Nachfrage  zu verstehen, dass Sperrmüllmitnahme in Pinneberg nicht gestattet ist.

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Ein neuzeitliches Schatzversteck.

Sperrmüll an der Straße gehört laut der Kreisverwaltung solange noch dem Eigentümer, bis er im Müllwagen landet. Jedoch hat der Eigentümer mit dem Herausstellen der Sachen zu verstehen gegeben, dass er seinen Besitz an den Sachen aufgeben möchte.

Rechtlich gesehen, stimmt der Entrümpelnde damit einem Eigentumswechsel an jedermann zu. Jedoch kann die kommunale Abfallsatzung die Auslegung ändern und den Kram der Entsorgungsfirma übertragen.

(Externer Link: Darf ich Sperrmüll einfach mitnehmen? )


Ich werde trotzdem schwach.

Brauchbare Möbel einfach zu zerschreddern ist in meinen Augen einfach eine Verschwendung. Also steige ich aus. Mein Scheinwerferlicht beleuchtet das gefrorene Schatzversteck und lässt jede einzelne Pressholzplatte verführerisch glitzern.

Einem ansonsten einwandfreien Nachttisch fehlen einzig die beiden oberen Schubladenknäufe. Ihn deswegen wegzuwerfen kann ich mir einfach nicht vorstellen. Vielleicht passte das Möbelstück einfach nicht zum Rest der Wohnung, oder das Ding flog raus weil sich jemand zu oft den kleinen Zeh daran gestoßen hat.

Zwei Meter weiter: Ein zerlegter Wandschrank. Absolut nicht mehr zu gebrauchen. Aber an jeder Tür ein Knauf.

Ich zücke also Schraubendreher und plündere eilig einen neues Stück meiner zukünftigen Einrichtung zusammen. Ein neuer Nachttisch mit glänzenden neuen Schubladenknäufen liegt ein paar Minuten später als Beute in meinem Kofferraum.
Ein schlechtes Gewissen wegen meines kleinen Raubzugs habe ich nicht.

Es ist schließlich Sperrmülltag:

Heute werde ich zum Wikinger!


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Auf ihr Recken, bemannt das Drachenboot …den Toyota Kombi!
Die Elbe hinauf reisen wir,an die Wedeler Auen.
Schärft die Schraubendreher, rührt an den Leim.
Thor und Odin begleiten uns auf dieser Fahrt, die Beute ist uns hold!

Für Ruhm, Gold und Schuhschränke!

– (möglicherweise nicht) die Edda


– Bastian Sue,
der Löwenseelenkater


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3 Kommentare zu “Die Sperrmüllwikinger kommen!

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