Kolumne: Gemäldeschreddern im Vermögensungleichgewicht

Ein Gemälde des Street-Art-Künstlers Banksy wird für 1,2 Millionen Euro verkauft – und schreddert sich daraufhin selbst.

1,2 Millionen Euro durch den Schredder!


Auktionshaus mit eingeweiht?

Inzwischen besteht berechtigter Verdacht, dass die Aktion geplant war.

– Das Bild wurde nicht, wie sonst üblich, auf ein Podest gestellt (wo der Schredder nicht funktioniert hätte!), sondern an eine Wand bei den Bietern gehängt.

– Vor dem Verkauf werden solche Werke normalerweise ausführlich geprüft. Bei diesem Bild wurde der Rahmen allerdings schon 2006 vom Künstler selbst ausgesucht und als „Teil des Kunstwerkes“ deklariert.

– Die im Schredder-Rahmen eingebauten Batterien mussten seit 2006 aufgeladen sein.

– Das Banksy-Gemälde wurde als letztes Auktionsobjekt versteigert, sodass vorangegangene Auktionen nicht beeinträchtigt wurden.

– Das Höchstgebot wurde telefonisch und anonym abgegeben, sodass sich kein Sammler durch einen Fehlkauf blamieren konnte. Allerdings wird der Wert des halb-geschredderten Bildes inzwischen auf 2 Millionen Euro geschätzt. Falls es einen echten Bieter gab, dürfte dieser sich über die große Bekanntheit des Werkes nun wohl eher freuen.


Kritik am Kunstmarkt!

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Auch mit einer Inszenierung ist die Aktion bedeutsam, denn sie hat der Öffentlichkeit viel über die Kunstszene gezeigt:

Als Außenstehender ist häufiger versucht zu behaupten, Sammler gäben bei Kunstversteigerungen häufiger mal viel Geld für unsinnige Dinge aus.

Es gibt Menschen, die in der Lage und Willens sind, 1,2 Millionen Euro für ein eher…„unspektakuläres“ Bild auszugeben, das seinen Wert vor allem durch den Namen desjenigen erhält, der es angefertigt hat.

Jetzt müssen sich wohl auch einige Kunstkenner eingestehen, dass auf dem Markt manchmal Millionen für „Müll“ ausgegeben werden, solange nur der richtige Name darunter steht.

Ein überbewertetes Bild im eigenen Schredder ist kommerzialisierte Kunst, die sich selbst bekämpft.


Kritik an einer ungleichen Gesellschaft?

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Mit dieser Aktion wurde jedoch nicht nur der Kunstmarkt, sondern aus weiterem Blickwinkel auch eine völlig ausser Kontrolle geratene Vermögensverteilung bloßgestellt:

Immer mehr Menschen müssen jeden Cent umdrehen und kämpfen jeden Monat ums durchkommen.

Und es gibt eben einige, die mal eben 1,2 Millionen für (jetzt sogar buchstäblichen) Müll ausgeben können, vielleicht sogar nur, weil ein bekannter Name darunter steht.

Ungleicher kann die Welt kaum sein.

Da scheint es geradezu eine Ironie zu sein, dass der „Müll“ anschließend noch im Wert gestiegen ist.

Ob man die Aktion nun als gelungen betrachtet oder sie inszeniert war – ein Teil der Kunstgeschichte ist „Girl with Balloon“ auf jeden Fall geworden.


Ungewohnt kunstinteressiert,

euer Bastian Sue,
der Löwenseelenkater

2 Kommentare zu “Kolumne: Gemäldeschreddern im Vermögensungleichgewicht

  1. Hatte die sammelbare Kunst, seit sie sich vom Handwerk trennte, je einen wirklichen Wert? Ist der industriell hergestellte Diamant in irgendeiner Art schlechter als der natürlich entstandene?

    Kunst ist, wie teurer Schmuck, die Rolex oder das besondere Luxus-Auto nur eins: Statussymbol. Sie muss teuer sein, sie darf möglichst wenig tatsächlichen Nutzen haben, denn nur dann ist es etwas, was man sich leisten können muss und womit man zeigen kann, dass man in der Hierarchie entsprechend oben steht.

    Die Menschen machen das mit geschredderten Bildern, der (männliche) Pfau lässt sich ein vollkommen nutzloses Federkleid stehen, das ihn zu leichter Beute macht und allgemein bei nichts hilft, um dem Weibchen zu zeigen: schau, ich bin noch am Leben und wohlgenährt, obwohl ich diesen Unsinn mache, meine Gene sind hervorragend. Hier: schau, ich bin immer noch reich, obwohl ich sinn- und nutzfreies kaufe. Wer das kann, der muss schon ganz besonders toll und daher attraktiv sein.

    Armin Heinrich hat das damals mit seiner App so hervorragend demonstriert, dass es selbst Apple unangenehm wurde.

    Gefällt 1 Person

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