Einwohnerversammlung 2017 – Teil 3

Link zu Teil 1:
Einleitung, Ankündigung und Businesspark

Link zu Teil 2:
Schulauer Hafen

Link zu Teil 3:
Bauvorhaben in Wedel und Integration
(Du bist hier)

Link zu Teil 4:
Kommentar und Kritik


Weitere Bauprojekte in Wedel

In einer kurzen Präsentation stellte Fachbereichsleiterin Sinz-König weitere aktuelle und geplante Baumaßnahmen vor. Neben dem Anbau der Gebrüder-Humbold-Schule stellte sie auch den Krippenbau der katholischen Kirche vor. Beide Projekte sollen im Frühsommer 2018 fertiggestellt sein.
Auch die Flüchtlingsunterkünfte am Steinberg und in der Heinestraße wurden vorgestellt.

Die Sanierung der durch starken Wasserschaden nicht mehr nutzbaren Sporthalle der Moorwegschule unter Einbezug moderner Brandschutzanlagen ist ebenfalls ein dringendes Projekt. Dort ist aktuell noch die Entscheidung des Stadtrates offen, ob die alten Sanitäreinrichtungen bei der Gelegenheit ebenfalls renoviert werden sollen.

Der Ausbau der Heinrich-Schacht-Straße schreitet weiter voran:
Der zweite Bauabschnitt voll Ende Dezember 2018 bearbeitet werden. Kostenpunkt: 775.000 Euro.

Zur Baustelle auf der B431 gibt die Stadt die Kosten von 2,5 Millionen Euro an – 2 Millionen davon stammen allerdings aus Bundesmitteln und müssen nicht von Wedel bezahlt werden. Aktuell herrscht auf der Baustelle Winterpause. Ab Februar 2018 wird dort wieder gearbeitet.

Weitere aktuelle oder anstehende Projekte sind zudem die Straße Langer Damm, der häufig als Umgehungsweg genutzte Gnäterkuhlenweg, Arbeiten am Depenwischweg und die Umstellung auf LED-Technik bei Ampeln. Außerdem wurden geplante Sanierungen im Eichkamp, der Friedrich-Großheim-Straße, der Rudolf-Höckner-Straße, der Straße An der Au, dem Roggenhof und der Spritzerdorfstraße genannt.

Die Arbeiten zum Fahrradverkehr in der Schulauer Straße sollen auf der Ostseite 2017, auf der Westseite 2018 abgeschlossen werden.

Der geplante und bereits begonnene Rückbau der bestehenden Fahrradwege auf beiden Straßenseiten zugunsten eines Schutzstreifens auf der Schulauer Straße stieß in den letzten Wochen nach dem Ratsbeschluss und der ungewöhnlich schnell erfolgten Umsetzung auf viel Kritik. Die beidseitige Umbaumaßnahme soll 120.000 Euro kosten. Da 2017 jedoch nur ein Budget von 100.000 Euro dafür vorgesehen war, werden die Baumaßnahmen auf der Westseite erst 2018 durchgeführt.

(Anmerkung von Wedel-Blog aufgrund einer Nachfrage dazu: Es stimmten im Stadtrat nur LINKE und FDP gegen einen Rückbau der bestehenden Radwege zugunsten des Schutzstreifens. Grund dafür waren die Sicherheitsbedenken und zu viele unbeantwortete Fragen an die Stadtverwaltung)


Bürgerfragen zum Fahrradweg Schulauer Straße

Der Angebotsstreifen an der Schulauer Straße stößt auf Kritik bei den anwesenden Bürgern. Bemängelt wurde unter anderem, dass die Umleitung auf die Fahrbahn das Radfahren gefährlicher mache. Auch der Lieferverkehr der anliegenden Firmen und Einrichtungen wie dem Hafen oder der Feuerwehr mache den Fahrradstreifen zu einem Risiko.

Bürgermeister Schmidt hingegen versucht das Unbehagen mit Statistiken zu mildern. So seien Fahrradstreifen laut Untersuchungen in den Unfallstatistiken hinter ausgeschriebenen Radwegen auf dem Bürgersteig. Zudem seien die Kosten für eine Sanierung der Radwege beträchtlich höher als die Einrichtung eines Schutzstreifens. Zudem wäre dabei der Verlust zahlreicher Bäume am Straßenrand zu befürchten.

Als ein weiteres Argument nennt die Stadtverwaltung, dass der Verkehr bei gemeinsamer Nutzung von Fahrrädern und Autos durch die notwendigerweise erhöhte Vorsicht aller Verkehrsteilnehmer verlangsamt wird und damit sicherer für alle wird.

 


Der Wedel-Blog versucht, ein wenig Klarheit zu schaffen:

So ist in den Diskussionen scheinbar nicht jedem gleich klar gewesen, dass es klare Unterschiede in der Bezeichnung und der Art der Radwege gibt. So haben wir die Definitionen direkt in der Einwohnerversammlung noch einmal zusammengefasst:

Ein Radweg ist eine reine Fahrradspur, die meistens neben dem Gehweg liegt und als solche auch gekennzeichnet ist

– Ein Radfahrstreifen ist ein von der Straße abgetrennter Fahrradweg, der nur von Radfahrern genutzt werden darf.

– Ein Schutzstreifen oder auch Angebotsstreifen ist ein für die Fahrradfahrer markierter Teil der Fahrbahn, der zur Nutzung dieser aufrufen soll. Er ist jedoch kein nur Radfahrern vorbehaltener Radweg.

In der Schulauer Straße wird aktuell ein Schutzstreifen geschaffen.

Die genaue Definition eines Schutzstreifens findet man übrigens HIER (Link)


Mit den Blick auf vorangegangene Recherche und das Rege Interesse am Thema fragt Wedel-Blog beim Punkt der Straßenbreite noch mal genauer nach:

Wir wollen wissen, ob die Schulauer Straße breit genug ist, um die gesetzlichen Vorgaben für beidseitige Angebotsstreifen zu erfüllen.

Der Bürgermeister antwortet mit einem Schmunzeln:
„Sie können sich darauf verlassen, dass wir prüfen ob das, was wir in der Stadtverwaltung machen zulässig ist.“

Kommentar:

Radfahrer als Verkehrsberuhigungshindernisse? Ich weiss ja nicht so recht.
Dass die Statistik auf Schutzstreifen weniger Unfälle aufweist stimmt soweit. Ebenfalls, das der Radweg in der Schulauer Straße ziemlich kaputt ist und Handlungsbedarf besteht.
Als falsch empfinde ich nur, dass es so wirkte, als stelle man den Schutzstreifen als Fahrradweg dar. Da hätte ich mir eine klarere Definition gewünscht.

Bei der Antwort des Bürgermeisters auf meine Frage musste ich selber etwas grinsen:
Durch die Schulauer Straße darauf Aufmerksam geworden habe ich mich aus beruflichem Interesse mit dem Thema befasst. Meine allgemein gehaltene Anfrage hat man in der zuständigen Behörde anscheinend jedoch direkt auf einen konkreten Fall bezogen und meinen Wohnort gegoogelt (Ich hatte ihn nicht mit angegeben). Daraufhin wurde mein Interesse an die Stadtverwaltung Wedel weitergeleitet.

Wen die Antwort der Behörde interessiert:
Die Breite der Fahrbahn zwischen beidseitigen Schutzstreifen muss 4,50m betragen. Ein Schutzstreifen muss mindestens 1,25m breit sein. Die Regenrinne am Fahrbahnrand zählt übrigens nicht als Teil der Fahrbahn.

Selber habe ich eine zwiespältige Meinung.
Als Radfahrer bin ich auch lieber auf richtigen Radwegen als auf der Straße unterwegs. Andererseits ist es, wo es keinen Radweg gibt, das gute Recht der Radfahrer als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer die Straße zu benutzen. Manchem Autofahrer schadet eine Erinnerung daran wirklich nicht.

De facto findet in meinen Augen leider ein Rückbau eines vollwertigen Fahrradweges zu einem Umleiten auf die Straße statt.

Versöhnliche Worte zum Schluss.

Auch der Bürgermeister äußert sein Verständnis dafür, dass sich manche Radfahrer auf der Straße weniger wohl fühlen als auf einem Radweg auf dem Bürgersteig. Jedoch handele es sich um einen Angebotsstreifen, daher bestehe keine Nutzungspflicht.


Integration in Wedel

Als letzter wichtiger Punkt wurde das Thema der Integration und die Flüchtenden in Wedel präsentiert. Genannt wurde die Zahl von 4500 in Wedel lebenden Personen ohne deutschen Pass.

Die Integration der seit 2015 aufgenommen Fliehenden bewertet die Stadterwaltung als „Sehr gut“. Dies liegt vor allem an der großen Anzahl von Ehrenamtlichen Helfern. Auch das Flüchtlingscafé Wedel und die Arbeit der Wedeler Koordinationsstelle Integration erfährt großes Lob.

Die Zahl der 2017 eingetroffenen Flüchtenden sei gegenüber 2015 stark gesunken. Im Jahr 2018 rechnet man durch Familienzusammenführungen wieder mit einem Anstieg, auf den man sich jedoch vorbereiten könne.


Sonstiges von Bürgerseite

Zustand P&R am Wedeler Bahnhof

Bemängelt wurde der Zustand des Parkhauses am Bahnhof sowie die immer knapper werdende Kapazität. Mit Blick auf das Wachstum der Stadt und auch dem Eindruck auf Besucher wurde angeregt, dort aktiv zu werden.
Die Stadtverwaltung sieht leider wenig Handlungsmöglichkeit, da sich das Gebäude im Besitz einer Eigentümergemeinschaft befände, man wolle aber prüfen was möglich ist.


Eine Einwohnerversammlung zum Thema Wirtschaftliche Entwicklung
und Sparkasseneinlage der Stadt

Es wurde angeregt, die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt zum Thema einer weiteren Einwohnerversammlung zu machen. Die Einlage von 10 Millionen der Stadt an die Sparkasse wirft zudem die Frage auf, wie gesichert sei, das Geld zurückzuerhalten und was die Stadt davon habe.
Die Verwaltung gibt an, dass der Ertrag des Darlehens an die Stadtsparkasse eine jährliche Entlastung des Haushaltes von 400.00 Euro jährlich ergebe. Das zusätzliche Eigenkapital der Stadtsparkasse sorge zudem für bessere Investitionsmöglichkeiten und daraus auch höhere Erträge. Die Sparkasse habe in den letzten Jahren sehr gute Ergebnisse erzielt.
(Anmerkung: Wie es bei der Sparkasse für 2017 aussieht wurde nicht genannt.)


Link zu Teil 4:
Kommentar und Kritik