Einwohnerversammlung – Teil 4: Kommentar und Kritik

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Einleitung, Ankündigung und Businesspark

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Schulauer Hafen

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Bauvorhaben in Wedel und Integration

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Kommentar und Kritik
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Kommentar und Kritik

Alles in allem bin ich sehr unzufrieden mit der Einwohnerversammlung.

Kritik im Einzelnen:

Die Ankündigung der Einwohnerversammlung war mangelhaft.


Das hat auch zu dem seltsamen Titel des Blogbeitrages geführt. Die Stadt hat eigentlich sehr viele Möglichkeiten zu informieren. Die Webseite der Stadt ist die naheliegendste davon. Wedel-Marketing eine andere. Der Veranstaltungskalender wäre eine weitere Möglichkeit gewesen, auf die man ganz direkt Einfluss gehabt hätte. Stattdessen wird die Einladung einzig recht versteckt in einem der Menüs unter Dienstleistungen untergebracht.

Wenn man nicht gerade ein bestimmtes Exemplar der ansässigen Tageszeitung gelesen hat oder zum richtigen Moment in den richtigen Sozialen Medien unterwegs war, hatte man kaum eine Chance von der Veranstaltung zu erfahren.


Kein Glanztag des Bürgermeisters.

Informationsgehalt? – Manchmal sehr gut – mal unglaublich miserabel.

Natürlich ist der Bürgermeister nicht allein verantwortlich für alles was in Wedel passiert. Auch Probleme und Bauvorhaben fallen meist nicht in seinen direkten Zuständigkeitsbereich, sondern an die entsprechenden Fachdienstleiter in der Verwaltung. Doch in seiner Funktion dient der Bürgermeister als Oberhaupt der Verwaltung, als höchster Verantwortlicher und als Ansprechpartner für die Bürger.

Viele zweifelhafte Aussagen.

Das uns die Einwohnerversammlung als „Freiwillige Leistung der Stadt“ verkauft wird, obwohl man „nicht mehr dazu verpflichtet“ sei ist schlichtweg falsch. Das Abhalten einer jährlichen Einwohnerversammlung ist in der momentan ausliegenden Hauptsatzung der Stadt Wedel festgeschrieben.
So geht es weiter: Kostensteigerung des Hafens unbekannt. Bewusster Ausschluss von Gehbehinderten an der Mole. Aufrufe, Themen doch selbst zu recherchieren.

Dies empfinde ich als sehr exemplarisch für viele andere Aussagen, die man einfach anzweifeln muss.

Es soll bei aller Kritik natürlich nicht der Eindruck entstehen, das überhaupt keine Fragen richtig beantwortet wurden. Manch ein Fragesteller mag mit der Antwort der Verwaltung sehr zufrieden gewesen sein. Doch viel zu häufig wirkten die Erklärungen der Stadtverwaltung leider nur oberflächlich oder ausweichend. In zwei Fällen wie ziemlich schlechte Ausreden.

Bei so vielen komplexen Themen und verschiedenen Fragen empfand ich die Gesprächsmoderation des Stadtpräsidenten Kloevekorn sehr gelungen. Und auch, dass die Gespräche teilweise mit Witz und Humor gewürzt waren gab der Einwohnerversammlung trotz aller Kritik ein entspanntes Klima. Es herrschte bei allen Beteiligten natürlich ein inhaltlich kritischer, aber persönlich immer respektvoller Umgang miteinander. Sehr positiv war auch, dass durch gute Planung ausreichend Zeit war, dass jede Frage gestellt werden konnte.


Die 4 Sachstandsberichte waren vom Informationsgehalt sehr unterschiedlich:

Der Sachstandsbericht zum Businesspark war eine sehr schöne Präsentation zur Geschichte des Geländes, ließ bei dem aktuellen Stand aber viel offen. Außer der Erwähnung, dass der Lärmstreit geklärt und jetzt noch andere unbekannte Probleme behandelt wurden gab es seit letztem Frühjahr keine neuen Informationen:
„Wir sind auf einem guten Weg“.

Der Sachstandsbericht zum Schulauer Hafen wurde auch erst auf Nachfragen hin um die absackende Mole und Details zur Verschlickung ergänzt. Die Stadtverwaltung wirkte manchmal überfordert, manchmal unwillig, Probleme wahrzunehmen. Kritische Punkte wie die Kostenentwicklung oder die Barrierefreiheit waren allgemein nur sehr schwer zu erfahren und endeten in als inhaltsleer oder unsinnig empfundenen Antworten.
„Wir sind auf einem guten Weg“.

Deutlich besser war der Sachstandsbericht zu weiteren Bauvorhaben. Hier zeigte die Fachberechsleiterin Sinz-König, dass man auch Informationen ohne Ende heraushauen kann – auch wenn es ein paar Verwirrungen zu auftauchenden Tiefgaragen gab.

Den Bericht zur Integration empfand ich als sehr wichtig und als positive Ergänzung zu den anderen Themen gut gewählt. Etwas verwirrend war, dass die Zahlen in der Präsentation nicht mit denen der Vortragenden zusammenpassten.


„Wir sind auf einem guten Weg“

– sehr oft im Rathaus gehört.

Es ist immer wieder dieser Satz.

Inzwischen empfinde ich ihn nur noch als die Personifizierung von Inhaltsleere.

Wenn Einwohner konkrete Fragen stellen, dann erwarten sie keine vage Prognose, sondern konkrete Antworten.

Es wirkte, als ob viele kritische Details immer erst durch gezieltes Nachfragen erwähnt und nur sehr widerwillig und oberflächlich beantwortet wurden. Der zitierte Satz gehört dann häufig dazu und sagt doch nichts aus.

Dass man vor allem das Erreichte hervorheben möchte ist verständlich und auch wichtig – aber auch Probleme müssen offen angesprochen werden.

Sonst entsteht der Eindruck, dass sich die Verantwortlichen vor langer Zeit in einer öffentlichen Darstellung verrannt haben, die kritischeren Fragen nicht standhalten kann. Daher kann man der Stadtverwaltung nur dazu raten, offener über alles zu sprechen.

Auf Erfolge der Stadtverwaltung kann sie stolz sein und auch wir Bürger hören sehr gerne davon.

Aber glaubt uns einfach:
Wir Bürger sind stark genug, auch schlechte Nachrichten zu ertragen.

Wir fragen ja schließlich sowieso danach.


Als Anregung:

Bei zukünftigen Einwohnerversammlungen wünsche ich mir…

– Das im Vorfeld noch besser darüber informiert wird. Im Veranstaltungskalender und direkt auf der Hauptseite von Wedel.de beispielsweise.

– Auch Probleme bei laufenden Projekten offener kommuniziert werden

– Fragen klar beantwortet werden, ohne dass man das Gefühl bekommt mit Phrasen, Oberflächlichkeit oder Ausflüchten abgespeist zu werden

– eine höhere Besucheranzahl. Es ist eure Stadt!

Wenn die Stadtverwaltung und die Bürger sich diese Anregungen zu Herzen nehmen, könnte die nächste Einwohnerversammlung vielleicht mit dem Gefühl verlassen werden, auch echte Antworten erhalten zu haben. Daran, dass die Stadtverwaltung ihr bestes tut, um die Probleme zu lösen zweifelt wohl kaum einer.

Als Bürger wünsche mir einfach nur eine offene und ehrliche Kommunikation.

Damit wären wir doch…auf einem guten Weg!


Ungewohnt kritisch,
Bastian Sue