Es war einmal in einem großen Land – Nachwehen eines Putschversuches

Mit Blick auf den Die Ereignisse am Bosporus im Juli 2016
und dem Zwist zwischen Recep Tayyid Erdogan
und Fethulla Gülen
frage ich mich wie es wohl war:

Damals, als in einem großen, starken Land ein Putsch geschehen sollte.

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Die Nachwehen eines Putsches

Es war schon einige Jahre her,
daß der Herrscher dieses Landes seinem Parteifreund und Wegbegleiter
für die unvergänglichen Dienste an der Partei gedankt hatte.

Später sah er ihn aber nur noch als seinen größten Feind
und als Widerständler gegen seinen diktatorischen Machtanspruch.


Als diese Ereignisse in einer warmen Juli-Nacht passierten,
waren nur über wenige Jahre hinweg viele
behördliche Parallelinstitutionen entstanden,
weil die Regierungspartei für ihre Zwecke
neben den etablierten Behörden des Landes
längst eigene, leichter kontrollierbare Organe geschaffen hatte.

Diese doppelten Institutionen mussten verschwinden um Platz zu schaffen,
und natürlich sollten die alten Strukturen aufgelöst werden.
Eben die, die nicht dem Parteibild entsprachen.

Irgendwann gab es dann diesen Tag,
an dem sie scheinbar durchschlug, die von der Regierung geförderte
Kampagne gegen Miesmacher und Nörgler, gegen Oppositionelle und Eigenbrötler.

Dann brannte es auf den Straßen und es schien als
bedrohe der Putschgedanke die in der eigenen Darstellung
so demokratisch handelnde Partei,
die sich in ihrer Art so viele Feinde im Staat gemacht hätte,
die anscheinend die Demokratie in ihrem Land bekämpfen wollten.

Plötzlich stand der Panzer neben den Soldaten auf der Straße.


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Auf einmal war er da, der Panzer.
Und mit ihm der Putsch den eigentlich keiner wollte.

Eilig und dank perfekter Vorbereitung wurde er niedergeschlagen,
noch bevor die Bevölkerung den Hintergrund davon verstand.
Keinen einzigen Tag lang herrschte Unruhe in diesem Land,
es gab nur eine einzige Nacht des entschlossenen Handelns.

Der Präsident tat am selben Tag noch kund,
dass „die geballte, eiserne Faust der Nation“ auf alle
niederschmettern würde, die sich der Regierung entgegengesetzt hatten.

Es wäre sein Recht, irgendwo auch seine Pflicht,
versprach sogar eine „Säuberung“,
denn schließlich sollten die Demokratie und
er selbst als gewählter Präsident ja geschützt werden.

Klar versprach der Präsident mit harten Worten, er werde
„persönlich mit den Putschisten abrechnen“.

Das, was er dann auch tat, nachdem
in dieser Nacht auf einen Samstag Waffen gehoben wurden.


Mit dem seltsamen Putschversuch als Anlass
lässt der Präsident
dann weitere, große Teile der
echten
Demokratie im Land verstummen.

Bald darauf taucht dann eine Liste mit den Kolaborateuren auf
und ihre Schuld stand durch den Putschversuch schon fest.

Der Widerstand der Demokratie gegen den Putsch
legitimierte das kurz darauf ausgerufene Kriegsrecht
und die eiligen Verhaftungen ohne Anklage
von unliebsamen Richtern,
von parteikritischen Militärangehörigen,
von Journalisten
und sogar von Lehrern.

Eilig konnte man im Rahmen der
auch offen so genannten „Säuberungsaktion“ viele weitere als
potentiell regierungskritisch Angesehene oder
unliebsame Personen und auch ihre Angehörigen überall verhaften.

Der große, kranke Mann erklärte sich
als von der Bevölkerung gestützter Sieger dieses Putschversuches und
konnte schließlich kurz danach ein Gesetz verabschieden,
dass das Erschießen und die Todesstrafe rechtmäßig macht
und sogar die Partei den Richtern gleichstellt.


Nachträglich wurden die Taten der Partei
nach dem Putsch dann gesetzlich legitimiert.

Das getäuschte Volk jubelte
dem großen Demokraten weiter zu.

Machne aber auch in dem Wissen,
dass sie ansonsten die Nächsten wären.

Wie es eben so war,
damals, in der Nacht der langen Messer, 1934.

Bastian Sue




Anhänge:

Wikipedia-Artikel zum Putschversuch in der Türkei 2016

Wikipedia-Artikel zum Röhm-Putsch 1934

Gemeinsamkeiten zwischen beiden Ereignissen wurden vom Autor fett markiert.

 

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1933: Goebbels und Hitler, gemeinsam mit dem später ermordeten Ernst Röhm.

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